Die Arabische Welt 50 Jahre nach dem Sechstagekrieg

Von: Von David Parsons, Botschaftssprecher der ICEJ in Jerusalem

Das Jubeljahr für Jerusalem neigt sich seinem Ende zu. Viele Ereignisse, die zur Wiedervereinigung der Stadt vor 50 Jahren geführt haben, sind gebührend gefeiert worden. Jetzt ist die Zeit gekommen, auch die historischen Folgen der Befreiung Jerusalems ins Blickfeld zu nehmen. Israels überraschend schneller Sieg im Sechstagekrieg von 1967 war ein Schlüsselmoment in der neuzeitlichen Geschichte des Nahen Ostens. Seine Nachwirkungen sind bis heute in der Region und auf der ganzen Welt zu spüren.

Annäherung mit den USA

Dass die Israelis den von den Sowjets unterstützten arabischen Armeen überlegen waren, verdeutlichte dem demokratischen Westen zunächst Folgendes: Der wiederentstandene jüdische Staat könnte ein wertvoller Verbündeter im Kalten Krieg gegen die kommunistische Aggression sein. In der Folge wurden die USA bald zum wichtigsten Alliierten und Waffenlieferanten Israels.

Verweigerung der arabischen Welt

Doch der Krieg führte auch zu einer tiefen gesellschaftlichen Spaltung in Israel. Was sollte man nun mit den großen Landgebieten tun, die unter israelische Kontrolle gekommen waren? Dazu gehörten das Westjordanland, der Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, die Golanhöhen und Ostjerusalem. Friedensbewegte Vertreter der herrschenden Arbeitspartei beeilten sich, den Arabern diese Territorien im Austausch für Frieden anzubieten. Doch die demütigende Niederlage der arabischen Staaten festigte nur die Entschlossenheit ihrer Staatsführer, Israel in dieser Region niemals seinen rechtmäßigen Platz zuzugestehen.

Die drei Neins von Khartum

Diese gemeinschaftliche arabische Position wurde auf der Konferenz von Khartum im September 1967 festzementiert. Damals äußerte die Arabische Liga ihre berüchtigten „drei Neins“: Nein zur Anerkennung Israels, nein zu Verhandlungen mit Israel und nein zum Frieden mit Israel. Heute sehen viele diese Positionen irrigerweise als eine Haltung an, die zugunsten der Palästinenser eingenommen wurde. Doch damals spiegelten die drei Neins schlicht und einfach die umfassende arabische Weigerung wieder, das Existenzrecht Israels anzuerkennen.

Palästinenserstaat?

Kein arabischer Staat zeigte damals ein besonderes Interesse an der Errichtung eines Palästinenserstaates. In jedem Krieg, den die arabischen Staaten gegen Israel anstrengten, ob 1948, 1967 oder 1973, hätten die angreifenden arabischen Armeen im Falle eines Sieges das Land für sich selbst beansprucht. Die militärische Besetzung des Westjordanlandes durch die Jordanier, die 19 Jahre lang andauerte, ist dafür ein prominentes Beispiel. Doch mit der Zeit gelang es den Palästinensern, hauptsächlich durch Flugzeugentführungen und andere unverfrorene Terrorakte, ihre nationalistischen Bestrebungen ins Blickfeldfeld zu rücken. Später würden arabische Führungspersönlichkeiten dann erklären, dass Frieden mit Israel nur möglich sei, wenn es zuerst eine gerechte Lösung des Palästinenserkonflikts geben würde.

Ägyptens und Jordaniens Sonderweg

Ägypten (1979) und Jordanien (1994) lösten sich allerdings schließlich aus dieser panarabischen Haltung und gingen eigene Friedensverträge mit Israel ein. Beide Länder unterstützten zwar immer noch einen Palästinenserstaat. Doch Kairo und Amman waren nicht länger bereit, der PLO ein Vetorecht über das künftige Wohl ihrer Nationen und der gesamten Region einzuräumen.

Chaos im Irak und Libyen

Unterdessen herrscht in den arabischen Staaten, die sich Israel in den letzten Jahrzehnten am hartnäckigsten entgegenstellten, heute heilloses Chaos. So ordnete der irakische Diktator Saddam Hussein im ersten Golfkrieg im Jahr 1991 grundlos Raketenangriffe auf Tel-Aviv und Haifa an. Seit dem Ende des zweiten Golfkriegs 2005 zerreißen religiöse Konflikte das Land, das auseinanderzubrechen droht. Ein Großteil des Irak befindet sich bereits unter iranischem Einfluss.

Unter seinem Machthaber Muammar al-Gaddafi beherbergte Libyen in den 1970er und 1980er Jahren zahlreiche Trainingslager für PLO-Terroristen. Heute ist der Aufbau eines geordneten Staatswesens gescheitert, während es in Libyen von Dschihadisten nur so wimmelt.

Syrien in Trümmern

Und schließlich war es Syrien, das Ägypten für seinen Friedensvertrag mit Israel verhöhnte. Damaskus präsentierte sich als stolzer Gastgeber für das anti-israelische Boykottbüro der arabischen Welt. Gleichzeitig gewährte es den Führern der schlimmsten palästinensischen Terrormilizen Zuflucht. Heute liegt das Land nach einem brutalen fünfjährigen Bürgerkrieg, der 500 000 Menschen das Leben gekostet und zwölf Millionen Bürger aus ihren Häusern vertrieben hat, komplett in Trümmern. Alle diese Entwicklungen scheinen den folgenden biblischen Grundsatz zu bestätigen: Wer Israel verflucht, wird selbst verflucht werden (1. Mose 12,3).

Schiiten gegen Sunniten

Wie stellt sich nun die Lage 50 Jahre nach dem Sechstagekrieg von 1967 dar? Ein Blick über die gesamte Nahost-Region zeigt, dass die arabischen Staaten in ihrem Hass auf Israel nicht länger geeint sind. Stattdessen gibt es innere Spaltungen, die durch die neu entfachten uralten Verwerfungen zwischen dem sunnitischen und schiitischen Islam angeheizt werden. Iran steht an der Spitze der schiitischen Achse, die aus der arabisch-schiitischen Bevölkerungsmehrheit des Irak, dem alawitischen Regime in Syrien und der Terrormiliz Hisbollah besteht, die momentan den Libanon beherrscht. Der sunnitisch-arabische Block wird von Saudi-Arabien und Ägypten angeführt. Beide Seiten haben die heftigen Konflikte in Syrien und im Jemen dazu genutzt, gegeneinander Stellvertreterkriege zu führen.

Iran gewinnt in Syrien

Nach Ansicht der meisten Analytiker hat der Iran letztlich den Krieg in Syrien gewonnen. Das bedeutet allerdings nicht, dass das mit Teheran verbündete Assad-Regime in naher Zukunft wieder die volle Kontrolle über das gesamte syrische Territorium wiedererlangen wird. Doch dem Iran ist es tatsächlich gelungen, eine starke Militärpräsenz innerhalb Syriens zu etablieren. Diese wieder zu entfernen, dürfte äußerst schwierig werden. Der Schlüsselmoment war gekommen, als Anhänger Assads chemische Waffen gegen sunnitische Rebellen einsetzten und die USA dagegen nicht sofort militärisch vorgingen, obwohl sie dies angekündigt hatten. Russland interpretierte dies als Schwäche der Amerikaner und stationierte daraufhin seine eigenen Bodentruppen in Syrien. Diese Entscheidung sicherte das Überleben der Assad-Diktatur und erlaubte es dem Iran, in dem kriegsgeschüttelten Land noch weiter Fuß zu fassen.

Teherans Landbrücke zur Hisbollah

Teheran versucht nun, eine „Landbrücke“ zu errichten, die eine direkte Verbindung zwischen dem Iran und der Hisbollah im Libanon schafft. Dazu soll ein schmaler Korridor dienen, der durch den westlichen Irak und das östliche Syrien verläuft. Dieser zusammenhängende „schiitische Halbmond“ würde dem Iran größere Hegemonie über die Region geben und die Möglichkeit, neue Fronten gegen Israel an mehreren Grenzen des Landes zu eröffnen. Die zusätzliche Gefahr eines atomar bewaffneten Iran würde zudem seine Überlegenheit über seine sunnitisch-arabischen Rivalen nur noch weiter vergrößern und den jüdischen Staat mit der Vernichtung bedrohen.

Heimliche Allianz mit Israel

Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass die Herrscher Saudi-Arabiens und der Golfstaaten gemeinsam mit Ägypten und Jordanien ein diskretes regionales Bündnis mit Israel eingegangen sind. Diese Allianz mit Israel kam still und leise zustande, nachdem Premierminister Benjamin Netanjahu dem vorherigen amerikanischen Präsidenten Paroli geboten hatte. In seiner Rede vor dem amerikanischen Kongress warnte Netanjahu mit drastischen Worten vor den Gefahren des angestrebten Atomabkommens mit dem Iran. Sein mutiger Aufruf an Washington, sich zu seinen traditionellen Verbündeten im Nahen Osten zu stellen, verschaffte dem israelischen Premier viel Respekt in mehreren wichtigen arabischen Hauptstädten.

Obwohl der Palästinenserkonflikt weiterhin arabische Bürger auf die Straßen und die Barrikaden treibt, hat er heute letztendlich keine hohe Priorität für die meisten arabischen Herrscher. Die Lage ist der Situation vor 50 Jahren vergleichbar, als die Araber einen Krieg mit Israel provozierten, den sie jedoch sehr schnell wieder bereuen sollten.

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